Technik & Web

ZAHLVERFAHREN | 28.02.2012

Internet-Einkäufe an der Ladenkasse bar bezahlen

Gleich zwei Anbieter wollen der Nachnahme Konkurrenz machen und Internet-Einkäufern das Bezahlen mit Bargeld ermöglichen. Die beiden Verfahren setzen auf Partner im stationären Handel. Ein Problem müssen sie allerdings noch lösen.

Bargeld lacht: Zwei Anbieter wollen der Nachnahme Konkurrenz machen.

Bargeld lacht: Zwei Anbieter wollen der Nachnahme Konkurrenz machen.

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Nicht nur der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff schätzt die Vorzüge des Barzahlens - Deutschland ist generell ein Land der Barzahler. Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahre 2009 zahlt jeder fünfte Deutsche ausschließlich mit Schein und Münze.

Im boomenden E-Commerce-Geschäft pflegt das Barzahlen bislang freilich ein Nischendasein. Mit der Nachnahme gibt es bislang nur eine vergleichsweise teure Möglichkeit virtuelle Einkäufe bar zu bezahlen - ohne Kreditkartendaten oder eine Bankverbindung über das Internet mitteilen zu müssen. Mit "BarPay" und "Bar zahlen" treten nun gleich zwei Anbieter auf den Plan, um eigene Lösungen für die Barzahlung in Onlineshops etablieren.

Für "BarPay" haben sich die Münchener Wirecard Bank AG, ein Unternehmen der Wirecard Gruppe, und der Großhändler Lekkerland zusammengetan. Die Unternehmen arbeiten bereits im Bereich von Prepaidprodukten zusammen und haben nun gemeinsam mit der Berliner EZV Gesellschaft für Zahlungssysteme mbH ein neues Zahlungsverfahren für den deutschen Markt entwickelt, das die Barzahlung für online bestellte Produkte ermöglicht.

BarPay: Ein Netz von 18.000 Tankstellen, Shops und Kioske


Mit "BarPay" sollen Kunden ihre Einkäufe im Internet bestellen und an rund 18.000 Tankstellen, Shops und Kiosken des Lekkerland Netzwerkes in Deutschland vor Ort in bar bezahlen können. Der Großhändler aus Frechen beliefert Tankstellen, Kioske und kleine Läden mit Waren.

Foto: Wirecard / Lekkerland

Mit einem Coupon kann der Onlinekunde an der Kasse zahlen.

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"Bei 'BarPay' handelt es sich um ein Bezahlverfahren für Verbraucher, die keinen Zugang zu Kreditkarten oder Vorbehalte gegen Zahlungsarten wie etwa Vorkasse haben. Händler, die ihre Nachnahme- oder Inkassokosten senken und gleichzeitig ihre Konversionsraten erhöhen möchten, können von 'BarPay' profitieren", werben Wirecard und Lekkerland in einer Presseerklärung für ihre Lösung. 

"Unsere bundesweite Infrastruktur gewährleistet, dass nahezu jeder Verbraucher innerhalb von höchstens zehn Minuten eine unserer 'BarPay'-Akzeptanzstellen erreichen kann. Zusätzlichen Komfort bieten die flexiblen Öffnungszeiten der Tankstellen", verspricht Jonny Natelberg, Executive Vice President bei Lekkerland.

Einen Händler, der das neue Zahlungsangebot in seinen Onlineshop integrieren will, können die "BarPay"-Betreiber auf Anfrage von derhandel.de allerdings noch nicht benennen. Das gleiche Problem hat derzeit auch noch die Konkurrenz von "Bar zahlen".

"Bar Zahlen": Beirat mit besten Kontakten in die Online- und Offlinewelt


"Wir haben noch keine Händler, führen aber intensive Gespräche mit Interessenten und verfügen durch unseren Beirat über beste Beziehungen, sowohl in die Online-Welt als auch in den stationären Handel", versichert Achim Bönsch, einer der drei Gründer und Mitgeschäftsführer der Zerebro GmbH, die mit dem Dienst "Bar zahlen" ebenfalls ein neues Zahlverfahren für Internethändler etablieren will.

Bei beiden Verfahren soll der Kunde vom Onlineshop seiner Wahl einen Zahlbeleg mit Barcode erhalten. Dieses PDF-Dokument, vergleichbar mit einem Online-Ticket der Deutschen Bahn, druckt der Kunde aus und nimmt es zu einem der stationären Partner mit. Der Beleg wird an der Kasse eines teilnehmenden Händlers eingescannt und der Kunde bezahlt seinen Online-Einkauf vor Ort. Die Zahlungsbestätigung soll dann "in Echtzeit" an den Online-Shop übertragen werden, der die bestellte Ware dann verschicken soll.

Zur technischen Abwicklung nutze Zerebro laut Bönsch die gleiche Schnittstelle zum Kassensystem der Händler, über die auch Prepaid-Guthaben der Telekommunikationsanbieter aufgeladen und abgerechnet werden. "Alternativ zum gedruckten Beleg, hat der Kunde zudem die Möglichkeit sich den Barcode auf sein Handy schicken zu lassen", erläutert Bönsch.

Transaktionsgebühr und Frequenz für den stationären Händler


Stationäre Händler will "Bar zahlen" mit einer Provision in Form von Transaktionsgebühren für das Konzept gewinnen. Darüber hinaus profitiere der Händler von der zusätzlichen Frequenz, so die Betreiber. Für die Kunden sollen keinerlei zusätzliche Kosten durch das Zahlungsverfahren entstehen, für den Onlineshop kostet "Bar zahlen" laut Bönsch "soviel wie eine Kreditkartenzahlung."

Foto: Zerebro GmbH

"„Kunden empfinden das Bezahlen mit Bargeld im stationären Handel als sicher", Achim Bönsch von Zerebro.

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Hinter dem Gründungsteam von "Bar zahlen" bestehend aus Achim Bönsch, Sebastian Seifert und Florian Swoboda, stehen namhafte Investoren aus der deutschen E-Commerce-Szene wie der ehemalige Rocket Internet Geschäftsführer Christian Weiß, der Gründer des Preisvergleichsportals idealo Martin Sinner und Christian Gaiser, Gründer von kaufDA.

Dass es einen Bedarf für die Barzahlung von Interneteinkäufer gibt, davon zeugen auch Berichte von Branchenkennern, wonach Paketdienstleister wie DHL, GLS und UPS nach Lösungen für ihre Bargeldlogistik suchen. Die Auslieferungsfahrzeuge bringen am Ende ihrer Touren immer höhere Geldbeträge zusammen. In den Hubs wird der Bargeldbestand daher zunehmend zum Sicherheitsproblem, ist aus der Branche zu vernehmen.

Hanno Bender

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