Donnerstag 20.06.2013
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Neckermann gibt die Logistik auf. Foto: Neckermann
Dass Neckermann in Schwierigkeiten steckt, steht lange fest. Die Geschäftsführung hat viel Geld verbrannt, zuletzt fehlten die Marketing-Anstöße für das Kataloggeschäft, das nun eingestellt wird. Da hat der Investor die Notbremse gezogen.
Nun soll Neckermann zum reinen Onlinehändler mutieren. Ist das neue Konzept erfolgversprechend?
Auf den boomenden Onlinehandel zu setzen, ist sicher richtig. Allerdings halte ich das Konzept, im Textilbereich ausschließlich mit Vertriebs- und Markenpartnern zu arbeiten, für gefährlich. Dadurch minimiert Neckermann zwar das Risiko, auf Warenbeständen sitzenzubleiben. Andererseits verliert der Versender deutlich an Profil und wird zur reinen Verkaufsplattform. Warum soll man Textilien künftig bei Neckermann kaufen? Zudem ist Mode häufig das Einstiegssortiment für Kunden, die später größere Anschaffungen tätigen, etwa Möbel. Diese Sortimentswanderung wird es künftig kaum noch geben.
Macht es Sinn, die Sortimente Möbel und Unterhaltungselektronik auszuweiten?
Hier setzt Neckermann auf Sortimente, die den Cashflow des Unternehmens nicht so stark belasten. Möbelstücke etwa haben lange Lieferzeiten und müssen nicht immer auf Lager vorhanden sein. Unterhaltungselektronik wird oft aus Industrielagern verschickt. Aus der Sicht der Finanzabteilung macht das also Sinn. Ob die Kunden das honorieren, bleibt abzuwarten.
Was halten Sie davon, dass Neckermann die Logistik dicht macht?
In einer Zeit, in der große Onlinehändler wie Amazon oder eBay in die Logistikprozesse investieren, ist diese Maßnahme schwer zu verstehen. Denn erfolgreiche Onlinehändler beherrschen minuziös alle Prozesse der Lieferkette. Otto hat dafür sogar eine eigene Tochter. Dadurch geht Neckermann wertvolle Logistikkompetenz verloren, auch wenn die Ausgangslogistik in Frankfurt zugegebenermaßen stark veraltet ist.

Prof. Dr. Jörg Funder
Überhaupt nicht. Denn Otto handelt strategisch. Bei Neckermann regiert eher die Panik.
Prof. Dr. Jörg Funder ist Professor für Unternehmensführung im Handel und geschäftsführender Direktor des Instituts für Internationales Handels- und Distributionsmanagement (IIHD) an der Hochschule Worms. Funder arbeitete lange Jahre in Führungspositionen mehrerer Handelsunternehmen, darunter auch von 2006 bis 2008 im Arcandor-Konzern.
Interview: Marcelo Crescenti
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